RSS abonierenMusikmarathon 2011
Roland Graeter Roland Graeter
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#365 tuttinale-konzert in der genezareth-kirche
kann man freie musik besser, ehrlicher treffen in seiner komplexität? 20 musikerInnen, die sich gar nicht kennen? von denen die meisten noch nie auch nur einen einzigen ton zusammen gespielt haben? ist das zufall? oder ist das gute musik weil, wenn man offene ohren und respekt mitbringt, gute musik einfach da ist?

klar, es gibt auch chaotisches, zu kakophone kakophonie: als die orgel das in erster linie von stimmen geführte ensemble aufmischt.
immer wieder hat das ganze etwas von dschungel, von drohenden tropen, von apokalypse, hexisch übertönt von gurrenden, jodelnden rufen, von selbst die orgel übertönenden repetitiven, vibratoreichen schreien...
 
die durch klaras stimme besänftigt werden...
eine einsame geige im breiten rausch der <musik sein wollenden selbstaussprache>. 

wie das dennoch klingt!  es könnte sein, dass stefan tiedje mit seinen klangschalen mehr meditative stille wünschte.  geprägt bleibt  das konzert auf weite strecken durch die immer wieder an arabisches hochzeitsträllern erinnernden frauenstimmen. 

ich werde auch an kate bush erinnert, an penderecki, an.. es ist nicht einfach, dieses  ringen und sich zusammenfinden von so vielen sensiblen musikern gebührend zu beschreiben!
 
zusammengenommen ist es eine ziemlich aufwühlende musik:

und obwohl fast jeder immer bei der sache ist, entsteht kein brei, gibt es dynamik, verschiebungen von links nach rechts, von oben nach unten. und immer, wenn der moloch sich etwas ausruht, ist da noch das plätschern, das weiterführt... einmal ist ein platz für ein vokalsolo von mir, lange geht das nicht... es scheint sich aber das klangbad ab da in richtung mehr instrumente, weniger stimmen zu verschieben. 

ein vokaler grund-sud bleibt indes...und schafft raum unter einem trompeten-solo. 

offensichtlich nähert sich, das höre ich jetzt, willem schulz mit seinem am boden holpernden stachel der mitte, den mikrophonen, die trompete bleibt dabei, beherrscht zusammen mit viel perkussion das geschehen.

das klavier versucht sich nach vorn zu pirschen, etwas elektronisches quietscht dann aber lauter, nikola lutz höre ich immer mal wieder, das saxophon tut dem konzert an dieser stelle gut, frank thomas gerdes macht sich an der orgel bemerkbar, dann gewinnt die leise, meditative und die geräusch-fraktion für kurze zeit die führung, dann ist es wieder sehr laut...und alles in orgelspiel getaucht. 

man spürt, dass es dem ende entgegengeht, das konzert hätte öfter so transparent sein können wie in diesen letzten fünf minuten... es ist nochmals die zeit der orgel und dann klatscht das publikum ins konzert hinein, was vielleicht das aller beste an diesem 365. marathon-konzert ist... man merkt, dass die musik nicht aufhören will!


brief an ursula u:

ja, das abschlusskonzert war heftig, 20 musikerInnen!!!...und obwohl sich jeder sicher ein wenig zurückhielt, in so einer freien sache wohl das gebot der stunde, waren es bisweilen doch gefühlte 50 musiker...

das schönste war das ende, als das publikum klatschte, vielleicht helfen wollte, die 36,5 minuten spielzeit nicht allzuweit auszudehnen. viele aber spielen einfach weiter und weiter, applaus und die musik wogen durcheinander ---WUNDERVOLL!

8.januar 2012 













#364 kunsthamster moabit mit ernst bier

nach drei minuten gegackstem vorgespräch legen wir los: pizzikato auf zwei tonhöhen, stakkato, sehr dezentes schlagwerk...ich beginne nochmal, zu hören, schön klingts, melodisch, immer eine form ist dabei, auch die stimme schwebt, das schräge kommt immer sofort ins lot, wird zum geschnürten päckchen, das ich aus dem sand buddle. ich grabe etwas aus, wiederhole kleine phrasen, ernst bier nimmt das mit einem rhythmus auf, ich zerstöre nicht bewußt, er stellt sich sehr auf mein eckiges spiel ein, ja eckig, sprachlich, abstrakt, kommt irgendwann eine melodie? nein, es bleiben hoffnungen auf mehr musikalisches, jemand sagt später, spiele im sandkasten...aber dazu ist die sache doch zu virtuos...

singschlauch nach 10 minuten, ein break: ich tappe auf die saiten, dann nur noch stimme, hoch, tief, ausloten, wieder könnte das ja ein lied sein...
ist es aber nicht...

mit tapsen geht es weiter, mit tasten, mit fragen nach dem, was denn jetzt eigentlich kommt? dennoch ist da kraft, dennoch sind wir mittendrin.
aber vielleicht doch mittendrin in einem nichts.

einheitlichkeit kann man dem konzert nicht absprechen. ich kenne diese spielweise von mir, bier umgarnt sie perfekt.  vielleicht ist es gut, dass ich da nicht drüber raus wachse. 

kaum ein loch, nur kurze, mehr als kurze unterbrechungen, jetzt, nach 15 minuten ein langsamer teil mit klangblechen und geknitterter plastikfolie...ich scheine immer musiker zu brauchen, die mich in die musik hineinziehen. 

bier zieht mich hinaus in eine klangwelt, eine abstrakte, manches mal lyrisch-theatralische klangwelt.  ich weiß nicht, ob ich es gut oder schlecht finden soll. ich kann mir vorstellen, dass die mehrheit zu der stimme, die sie da zu hören bekommen, auf distanz gehen. 

dann bei 20 minuten flageolets...rhythmus kommt nicht auf, es wird nochmals lyrisch, weiter sprachlich, weiter ungemütlich...

habe ich nun viel oder wenig gelernt nach so vielen tagen musik? angenehmer, gesetzter bin ich nicht geworden. ich fühle mich überfordert, ein urteil abzugeben.  spass macht es.

nach 22 minuten kurzes schweigen. auch das ist möglich. die denken glücklicherweise nicht, daß alles vorbei ist.  ich setze wieder ein, wieder mit dem tappen auf dem cello und mit einem beat, mit einem stampfen. musikalisch passiert wenig, aber der charakter des konzertes bleibt gewahrt wie selten. 

kurz vor minute 28 lege ich das cello weg, singe ein lied zur kalimba, das in den klängen des becken eingebettet ist.

dann noch ein zweites lied, das schlagzeug wechselt zu dumpferen sounds mit klöppeln,
der gesang wird aggressiver, lauter...
wir sind am ende angekommen...

schon nach knapp 30 minuten

zugabe mit flöte: spröde, virtuos, vöglein gleich,
rhythmisch...da ist mehr los als vorher: mehr töne, mehr energie. und weil das ganze spass macht, würde es wohl noch länger gehen, blendet aber leiser werdend aus, weil die flöte kaputt ist.











#363 mit stefan tiedje, klangschalen, loops, verfremdung, verhallung...und am rande brigitte küpper und norbert zajac mit stimmlichen einwürfen
wir fangen ohne wirklichen beginn an, rutschen in diese klangreise hinein.  draussen vom laden dringen verkaufsgespräche. wir reagieren nicht darauf, das macht man ein paar mal bei konzerten,bald wird so ein einbau von zufälligkeiten langweilig... 

wenn ich doch nur nicht so musikalisch traditionsschwer denken würde? oder ist es gerade gut, die ganze welt der digital-musikalischen möglichkeiten durch meine improvisatorische bodenständigkeit immer wieder herunterzuholen vom hohen ross der möglichkeiten des klang-designs? 

es ist wie es ist und sicher ist, dass wir uns alle anregen, hier ein faszinierendes klangspektakel zu präsentieren.  und wenn es auch fast nur für uns selbst ist. zwei zuhörer. 

im hinterzimmer des computerladens in der vorbergstrasse 2 in berlin-schöneberg verpassen hier viele menschen, die in den umliegenden gebäuden wohnen etwas. sie wären sicher hier geblieben, wenn man sie erst mal hergezaubert hätte. zwielichtiges, anregendes, das ihnen doch zur alltagsbewältigung nützen würde. 

diese klangreise erzählt vielschichtig: am meisten davon, dass wir in verschiedenen räumen ganz verschiedene wesen sind: in  trockenen vielleicht clowns, in cathedralen prediger, in maschinenhallen tänzer, im großstadtdschungel neurotiker.

eine meditative klangstrasse zieht sich durch unser klangdorf,bis sie am horizont abbiegt. was das wiederum bedeutet, kann man am angler ermessen, der just in dieser biegung am meer sitzt und unsere  musikalische hyperaktivität ködert. wenn wir ihn fragen würden, würde er drohen:  jungs, ihr betrügt euch immer wieder mit einem <zu viel>. 

wir spielen mit schon gehörtem in neuer form,  teidje ändert auch das, was im jetzt geschieht...mein cello-solo ist nicht mein cello-solo, es ist ein solo, an das sich echo, raum, verzerrung dranhängt, ein parasitäres duo. grossartig, dass so etwas heute technisch möglich ist.

und wenn ich loslege (bei 24'30''), laut werde, wird alles noch lauter, in neue räume getaucht, loop-schwänze werden drangehängt und zuletzt wird alles unter rutschenden kiesbergen begraben...nein, ein zug fuhr vorbei.(27'23'')...{un ange passe}. 

ein lautes, klares, eindeutiges konzert-ende. 

bitte könnt ihr das nochmal von vorn?









#360 im heisenberg mit rui faustino und sylvia hinz
mitten rein ins vergnügen, und ein vergnügen ist's...naja, und es klingt wie eine probe, dann aber doch weiter, eine schöne mischung zwischen musik und dem reinen nichts...
dicht, leicht...rui scheint dafür verantwortlich, vielleicht auch die professionalität von sylvia, die so ganz anders musiziert als sie ist. in der musik ist sie wirklich sehr frei und mutig und gelassen und unkonventionell. wir drei passen da sehr gut zusammen, was man in der halben stunde vor dem konzert nicht ahnen konnte. 

dynamische wirbel, lange, verzwirbelte phrasen in respektvollem nebeneinander, hören und gut sein lassen,
neue musik mit drive, mit operettencharme, mit ernsthaftem gestaltungswillen, mit dichte, mit der nähe zum überfallenen hühenerstall oder hünengrab, beides ist drin, verhuschte leichte, aber auch schwere brocken, megalithen, die wegdiskutiert werden. nein, heben können wir mit dieser musik keinen schweren schatz, wir können damit meteoriten vom himmel in den pazifik platschen lassen, ach, ich armer schreiberling bin auf der falschen fährte...kurz und gut, ich finde, das ist rui faustinos musik,  er hält das alles so unglaublich elegant zusammen, was hier passiert, dass es eine freude ist. auch mit seinen stimmeinlagen überzeugt er....
und das wichtigste: dieses konzert bleibt spannend. ist ein block, klar, leicht, witzig, hat rhythmische elemente, groteskes...nichts ist überzogen, alles harmoniert.

ich glaube, das ist eines meiner lieblingskonzerte.














#362 mit christine kallfaß im café mauerwerk berlin-moabit
ein verstimmtes piano, auf dem schön verträumt geklimpert wird, cello und stimme übernehmen, mischen sich darunter, irgendwann will die stimme mehr, führt durch gepresste lautstärke, dann durch eigenwilligkeit, bis das klavier verstummt und die stimme von christiane auch nach vorn will. 
dann ihre solistisch-theatralische vorführung vollführt, im raum umherschwirrt, bis ich dann wieder mitmische, aber zurückhaltend. mir kommt da etwas entgegen, das für mich zu viel theater ist...aber es nützt nichts, christine will feuer, hechelt, ich schlage ein lied vor, mal sehen, wie sie reagiert. man hört immerzu die leute in der kneipe, was ich gerade heute unerträglich finde, auch den rauch, der ins hinterzimmer fliesst und uns zu ersticken droht.
wenn ich jetzt singe, dann lacht christine als antwort, lacht immer mehr, gut, dass da noch das klavier mit dabei ist, 
ein duo aus cello, klavier und gelächter...es geschah zu jener stunde...rezitiert sie, und:
im schnee, wollmantel, tired, müde, weisser schnee, zauberland, weiss war mal, war gestern...unerträglich wie dieser rauch.  so mit worten zu spielen trägt nicht unbedingt zu befreiter musik bei. in mir steigen da beklemmungen auf. wenn man in der kunst was zu sagen hat, dann doch dezidiert lyrisch? gilt doch dasselbe wie in der musik!




#359 mit rob und silvia bauer in röttenbach
das konzert am 1. weihnachts-nachmittag mit bauer und bauer. sylvia rechts von mir, perkussion und balafon, rob, links, posaune. kontrabaßposaune. man könnte natürlich nach irgend etwas weihnachtlichem suchen. aber nach fünf minuten stacksen wir noch wie störche durch schnee oder stroh und suchen nach dem baby, das doch unsere musik sein soll. rob spielt das laute, schwerfällige tier. als er dann einmal stoppt, kommt es mir, obwohl silvia und ich einfach weiter-musizieren, plötzlich ganz leise vor im raum. diese kontrabass-posaune hat einfach power.
für weite strecken zeigt sich: silvia ist fürs filigrane, rhythmische, virtuose zuständig, rob macht daneben in aller ruhe sein ding.

irgendwann viel später schwingt sich alles auf einen rhythmus ein. vielleicht ein klitzekleines stückchen
nach 22 minuten ist das konzert aus meiner perspektive dann doch hörenswert.

es folgt ein kurzes solo von mir.

dann scheinen die unvereinbarkeiten für einen moment vergessen, doch nach ein paar minütchen später tauchen sie  wieder auf. 

break. noch ein solo. pizzikato.

am besten ist wohl ein kurzer teil nach etwa 30 minuten spielzeit. ganz schön wild...

ich kann mich nicht entscheiden, ob ich mich an silvia rechts oder rob links orientieren soll. suche halt, kann aber keinen finden. die beiden musiken in meinen ohren klaffen weit auseinander. 
ich purzle durch...bis zum ende,wo alles etwas gemächlicher wird, meine stimme getragener.
 
dennoch bleibt das konzert zerrissen...











#358 hl.abend bei klara li
anfangs ein bisschen zögernd, leicht bis schön. gut, dass der e-bass die leichtigkeit ein bisschen beschwert. ich bin rhythmisch gestimmt, dringe damit aber nicht durch. dann inspiriert mich die singende säge und klaras gesänge. der bass grummelt tief, die säge quietscht, dass es einem kalt den rücken runterläuft.  niemand gibt eine richtung an. 
allerdings kommt in das frei schwebende quintett mehr und mehr virtuosität, dann eine kurze, dichte passage. klaras einsatz irritiert mich jetzt. besser gesagt immer dann, wenn ihre stimme nach kindertheater klingt. glücklicherweise nicht allzu oft.

jetzt hört man die trompete von esther chandra halim. ihre einsätze tun unserem ensemble sehr gut, beruhigen es.  das kann man leider vom bassisten nicht sagen. er ist zwar sehr <gut> auf seinem instrument, hält uns aber nicht zusammen. ich kanns heute auch nicht. und serjoscha auch nicht. an serjoschas sägen ist einfach der klang geil. diese klänge vermitteln eine mischung aus experimenteller elektronik-und metall-werkstatt.

der japaner ist vom e-bass auf den kontrabass umgestiegen. 
er nimmt immer mehr die funktion des zerstörers bzw. des irritators ein. 

inzwischen sind wir ziemlich wild, laut und etwas kindisch geworden.
das horn? spricht. das passt gut und schiebt den vortrag wieder mehr ins ernsthafte. mit der trompete driftet das ganz und gar in freejazz hinüber. 

dann blubbernde sounds und zwei bässe...

so richtig finden wir nie zusammen...immer fast, es hätte immerhin gut sein können.

dennoch lohnt es sich, das konzert anzuhören. es gibt immer wieder über ein paar minuten stimmungen, die unbeschreiblich sind. 
z.b. bei minute 30. da wirds plötzlich meditativ, alle bemühen sich um geräusche und ich pfeife völlig unperfekt. dann zwischen all dem ein cello-solo...plätschern.  pause bei 35 minuten. 

die trompete führt das konzert weiter. es findet so etwas wie ein dialog zwischen trompete und meiner kleinen bambusflöte statt. 
schöne stelle bei 37 minuten 40 sekunden, nach dem huster.
bis 38.40. dann ist schluss. 

zugabe: ein riesen-chaos mit digitalen aussetzern!

 





#259 autumn leaves festival mit parageet b. kircher alt-saxophon
nach der tausendfüßler-geschichte von festival-chef dieter halbach, eine ziemlich ausgedehnte nacherzählung einer geschichte von michael ende...der bogen zur improvisierten musik wird  mächtig spannt! 

dann endlich gehts los. stimme und cello und saxophon hören sich verstärkt nicht schlecht an, guter sound, kein hall...
gute verzahnung von uns beiden, eine reise am rande der musik, aber immer schön knackig...am ende wird alles etwas saxophon-lastig und für meinen geschmack kommen zu viele klischees mit rein...jedenfalls ist der erste teil unserer begegnung ist richtig gelungen! 





#337 solo weinbergstrasse potsdam

meine musik ist so etwas wie eine anti-musik. etwas, was sich der  volltönenden, geschliffenen, absichtsvoll emotion erzeugenden musik genauso in den weg stellt wie der vorwiegend mit berechnung und intellekt erzeugten.

eine etwas dumpf und sprachlich  klingende musik. 

in ihr steckt ein credo für  "back to the roots", für musik purer, animalischer kraft und libido.

 

die heftige spannung in dieser musik, die hörbar als frenetisches zittern durchschlägt, endet immer wieder in erschöpfung oder sie flaut in gelassene ruhe ab.

ihre ungeschliffene, manches mal bis ins groteske und theatralische ragende seite verstärkt die wahrnehmung ihrer anderen; die ihrer sensiblen vielfalt und vitalen klarheit.

ich spiele rau auf einem als sanft geltenden instrument. ich singe mit einer farbigen stimme, die ursprüngliches, freudiges und schmerzvolles in sich birgt.  

der musikmarathon 2011 ist ein projekt, diese musik in der begegnung mit anderen improvisationskünstlern weiterzuentwickeln. 

erstes motiv ist es aber, mit diesen 365 ad-hoc-konzerten einmalige, unvergessliche hörerlebnisse zu schaffen. es ist meine überzeugung, dass unsere musiklandschaft  diese improvisatorische würze täglich nötig hat.


aus dem booklet meiner 2.cd "nachtgesänge und ekstasen":

vor allem interessiert mich die musikalische erzählung im umkippen zur ekstase, das stolpern in den rhythmen und das spiel zwischen verzahnung und unabhängigkeit von stimme und instrument.

der gegensatz archaisch/artifiziell ist dieser musik eigen. er drückt sich in selbstvergessenen liedern, rufenden rezitationen, verhextem lachen auf der archaischen und in gesetzten reibungen, luftigen largos oder gehauchter akrobatik auf der artifiziellen seite aus.

beim singen verwende ich meist nonsens-artikulationen, die hin und wieder spielerisch übers horchen in den sinn rücken, beim cello verschiedene stimmungen und in der perkussion außer den instrumenten (darbuka, kalimba, tambourin) allerhand krimskrams und häufig die hände und die nackten füße.

das kommt dem anspruch, meine kompositionen aus dem moment heraus entstehen zu lassen, entgegen, obwohl es sich andererseits nicht vermeiden lässt, dass durch die ständige praxis dieser musik so etwas ähnliches wie ein repertoire entsteht. 

im wesentlichen versuche ich, bei konzerten immer wieder ganz neu in unbekannte wasser zu springen um dort den schon ganz zu beginn erspürten harakter einer improvisation zu entfalten.

  


roland graeter
+49 178 1364746
roland.graeter@gmx.net
www.musikmarathon.com
www.vimeo.com/9573170
http://www.pix-o-rama.de/2011/05/05/auszug-aus-dem-musik-marathon-2011/.
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#341


seit mitte der 80er jahre vertieft sich roland graeter  mit seiner musik für cello und stimme in ein ganz eigenes universum.

mit der stimme spürt er nuancen sprachlicher und vorsprachlicher äusserungen nach. 

diese onomatopoetischen recherchen mischen sich mit huschenden, virtuosen oder rauen miniaturen auf dem cello. bisweilen steht das cellospiel graeters ganz im vordergrund und wird nur spärlich und wie beiläufig durch seine stimme ergänzt.

einen weiteren schwerpunkt von graeters musik findet man in liedhaften vorträgen, die teils afrikanisch, teils asiatisch anmuten und häufig von einem stolpernden puls begleitet werden.

diese in graeters solokonzerten eingeschobenen <lieder> wirken wie inseln der ruhe in seinem ansonsten eher aufwühlenden und sehr dichten solovortrag.  

obwohl graeters arbeit komplett improvisiert ist,  ist sie  weit davon entfernt, beliebig zu sein. durch die bedingungslose intensität der konzerte nimmt es der zuhörer ihm ab, dass diese musik genau so und keinesfalls anders ablaufen muss. 

insofern könnte man hier ausnahmsweise einmal von tatsächlichem< instant composing> reden;
und das umso mehr, da graeter sein musikalisches material eher vertikal auslotet und weniger horizontal ausbreitet. 

diese tatsache verleiht dieser musik bisweilen auch etwas meditatives. dennoch hat sie durch ihre starke physische präsenz und der völlig im einklang zur musik stehenden körpersprache nichts heiliges an sich.

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#344 solo weinbergstrasse potsdam
"graeter macht musik, wie wenn er sich als zitronenhälfte sähe, die er gerade selber ausquetscht. na und? wir haben es genossen, ihn so in aktion zu sehen, einer, der weiss, dass er die letzte musik aus sich hervorpresst. es hört sich an wie eine der letzten echten musiken dieser welt.

den eindruck von ausgepresster, letzter musik hat man vor allem dadurch, dass graeters improvisationen sich immer am rande des klanglichen bewegen. sein cello klingt trocken, seine stimme sprachlich und alles schreit; auch seine leisesten, entspanntesten lieder lassen diesen schrei noch ahnen.  

wir gewinnen den eindruck, dass diese soeben entstandene musik nicht nur den moment zelebriert, sondern auch anklagt, unsere satte kultur mit den letzten mitteln verzweifelten kunstwollens anklagt.

verblüffenderweise gerät graeters performance dennoch zum genuss: eine kugelfisch-mahlzeit." 

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#289 im museum KIT (kunst im tunnel) in düsseldorf
ich fahre in dresden noch bei dunkelheit los richtung düsseldorf, über 600 km zum nächsten konzert, das um 17 uhr im GALERIE CAFE  des KIT düsseldorf beginnen soll. organisiert hat das die klarinettistin maryanne piper für uns.  ich bin schon kurz nach 11 an diesem schicken  ort am rheinufer. es ist sonntagmorgen, noch kühl, aber ein sonnentag. für einen ausgedehnten spaziergang ist genug zeit und ich schlendre übermüdet die uferpromenade entlang. links der rhein mit frachtern und vergnügungsschiffen, rechts glotze ich auf aufgeblasene kühlerhauben glänzender, neuer, teurer autos. in dümmlichem design glotzen sie schnauze an schnauze zurück, als hätten sie sich zum gruppenfoto unserer globalen reichengemeinschaft eingefunden. in mir steigt eine mischung aus faszination und ekel auf, wobei zweiteres gefühl von schritt zu schritt mehr überwiegt. 

ich sollte über musik schreiben. 


 


 
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#288 starke fotografen, louisenstrasse 6, dresden-neustadt mit marcous albinoni, trompete
im schaufenster in der galerie gaia, wo ich jetzt schreibe, plätschert ein springbrunnen und draussen in der neustadt findet man keine parkplätze. samstagnacht. unser konzert hat viertel nach acht begonnen, schönes licht, wir sind bei fotografen, von der wand schauen gesichter, uns im nacken und auch gegen das spärliche publikum. wie immer macht mir das nichts aus.

herr und frau starke, beide sehr angenehm, entschuldigen sich, dass so wenige gekommen sind.

marcous, dunkle, längere haare, ist einer der wenigen musiker, die nicht üben oder spielen vor dem konzert.
das finde ich sehr angenehm. auch die paar sprüche, die er von sich gibt, machen ihn sympathisch. viertel nach acht legen wir los.

ein aufmerksames konzert, cello und trompete und stimme verbinden sich gut. auch unser timing ist gut zusammen. ausgewogenes, intensives.

anschliessend viele interessierte fragen zu meiner reise. ich berichte ziemlich ausführlich. auch marcous mischt sich ein, als es um die kunst der improvisation geht: er sagt, man dürfe die improvisationskunst nicht verraten, indem man parallel auch andere musik spielt.

diesen standpunkt teilen viele musiker sicher nicht ,ich schon. man muss immer weiter in sich hineinhorchen und gleichzeitig immer weiter in die ferne horchen. und das instrument spielen lassen, was es will. du wirst merken, dass es jeden tag etwas anderes spielt.



#287 und vorige

ich melde mich zurück weil ich wieder blitzgesund bin. unterbrochen habe ich den marathon keineswegs, doch war es mir in letzter zeit nicht möglich, täglich die konzert-mitschnitte anzuhören und darüber zu berichten. das kommt noch, doch im moment geht es erst mal mit allgemeinen eindrücken weiter, ohne dass ich allzusehr auf die abendlichen marathon-konzerte eingehen werde. 

dresden neustadt ist trotz chronisch wenig zuhörern ein mekka für mein projekt. überall öffnen kleine galerien, privathäuser, stadtteilhäuser mir die pforten und musiker finden sich auch. und erstaunlich gute. 
das ist schon meine fünfte marathon-zeit in dresden. 
(1) am 18. april gings in der blauen fabrik mit der gruppe palawa und konzert #108 los, dann die #109 in einer kunstschreinerei mit walburga walde, dann wieder weg aus dem schönen dresden, doch 9 tage später für die #118 mit günter baby sommer schon wieder zurück (2) in der galerie beyer, tags darauf  treffe ich bei der #119 auf carola lampe's ausdrucksmalen im gleichnamigen atelier, die #120 mit walburga walde und martin schulze im trio in der galerie von martins mutter. dann umkreise ich dresen für die konzerte #121,122,123 und 124 (bei obart im grenznahen kirschau), und lande mit 125 (moritzburg) und 126 (bärwalde) schon fast wieder in dresden, entferne mich wieder nach bautzen, leipzig und riesa und bleibe in dieser ländlichen gegend (prösitz, oschatz, mutzschen)für die nächsten drei tage.
es ist jetzt schon fast mitte mai und der 13.5. führt mich nochmals ganz weit nach osten, nach görlitz. dann leipzig.
zum abschluss der zweiten ost-serie des marathon spiele ich mit dem phantastischen max loeb im friedrichszentral. einmal nicht in dresden neustadt, sondern in dresden linkselbisch. 

das nächste mal (3) steure ich dresden am 14. august zum konzert #226 mit dem posaunisten günter heinz an, bleibe im grossraum und spiele die #227 mit leuten der lebenstraum-gemeinschaft jahnishausen. für die #228 bin ich mit dem cellisten ulrich thiem im alten wettbüro in dresden verabredet,
tags darauf mit axel kabbe im kukulida (#229) und die #230 spiele ich solo auf einer party im wachwitzer weinberg. 

dann stelle ich am nächsten morgen um 7 mein projekt in stuttgart bei einem unternehmerfrühstück vor, und bin für den folgenden abend schon wieder zurück in dresden (4). schon wieder ein solo und schon wieder bei privat. in einem garten direkt an der elbe. dort übernachte ich auch. im freien am feuer. 
gut durchgeräuchert treffe ich um 14 uhr im schauspielhaus dresden ein, um auf meine zwei minuten supertalent-show (#233) vor der dieter bohlen-plus-zwei-damen-jury zu brillieren. 

weder den dreien noch dem publikum kann ich das marathon-projekt schmackhaft machen,  für mich war es ein eleganter und amüsanter reinfall, den ich voll ausgekostet habe.
 
bevor ich am nächsten morgen vom artotel aus weiter nach berlin reise, tröste ich beim frühstück einen gestern bei supertalent durchgefallenen und völlig zerknautschten massen-animateur, der mit seinem
zicke-zacke-zicke-zacke-hoi-hoi-hoi-gebrülle noch weniger erfolg hatte als ich mit meiner sperrigen improvisationsmusik.

(5)...ja, und mit dem konzert#285 im stadteilhaus im theater wanne komme ich mit dem musikmarathon schon zum fünften mal nach dresden, diesmal quer durch die republik direkt aus duisburg (#284 solo dellstrasse). 

nach diesem konzert mit agnes ponizil und ulrich thiem gelingt es mir mit hilfe von axel kabbe, mit dem ich konzert #229 gespielt hatte, die konzerte #287(gestern) und #288 (heute abend) zu organisieren.  ulrich thiem sorgte vorgestern für das trio-konzert #286 in seinem hause mit dem wunderbaren pianisten andreas scotty böttcher.

ja, dresden mag den marathon, und vielleicht sind ja aller guten dinge sechs?  

  


 
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#258 mit mitgliedern der impro-werkstatt autumn leaves
onomatopoetisches chill-out. dann eine lange schwingende saite. entspannte töne aus meiner kehle, ein melodiebogen in die höhe. 
die mitmusiker bleiben zunächst meditativ, monochord-orientiert,  die maskenträger, von denen es hier einige geben muss, sehe ich nicht. eine maske, die sich über längere zeit neben mir plaziert, bekomme ich dann doch irgendwann mit. wo kommt nur dieses saxophon her? 
meine reaktion auf die etwas zögerlich-behutsame meditationsmusik ist dann irgendwann ein kurzes, eklig-atonales solo:  danach löst sich die stimmung, manche halten sich an einen rhythmus, einige werden mit der stimme mutiger, es gelingt flüssige lautmalerei, cello und saxophon finden sich zusammen und klingen zusammen in die stille aus.  eine stimme aus der ferne, hoch, eine zweite, zart, perkussive nebengeräusche, die tupfenartig die die verträumt vor sich hinsingenden untermalen.
 
dann finden sich verschiedene flöten-töne und regen ein reges sprach-singgemisch an, das von so ziemlich allen mitgestaltet wird...
ein weiteres lautmalerisches gebilde regt dieses mal eine männerstimme an, mit mir zu kommunizieren.  zweites flöten-pfeifen-raschel-meer: mehrmals taucht ein rhythmus auf, der sich erstaunlicherweise nicht etablieren kann...


 
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#257: cellialog mit willem schulz in der capella hospitalis, bielefeld
in der capella hospitalis erwartet uns ein sehr umsorgtes, meditatives ambiente. wir stellen die stühle für die zuhörer  in fischform um uns herum und beginnen nach zwei einführungsreden ziemlich expressiv. ich mit stimme, willem kongenial mit dem cello dazu. mit sehr breiten strichen. 
immer wieder kurze cello-duos, beide mit ähnlicher spielweise, verschmelzend.
 
sehr leise stellen, dann eine lange pause: 
ein langer teil, ausschliesslich mit den beiden celli, schliesst an und geht in einen ruhigen teil über, bei dem wir beide auch singen.

dann lege ich das cello weg.  stimme und flöte. willems cello  geht in den flageolet-modus...

die presse schreibt < wie zwei balgende jungbären>. wohlgefühlt haben wir uns bei diesem konzert. aber es war doch noch ein bisserl mehr. 




 
roland graeter
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#264 mit jarek bartoszek, reeds bei ursula anger, immenrode bei goslar
anfang, ja, gut, ich höre mir das konzert gerade auf youtube an. man kann feststellen, dass hier doch einige kraft rüberkommt, jedoch nicht, dass jarek, der sicher sehr gut spielt, irgend auf meine intonation eingehen würde.  aber es ist wohl einfach eher mein job, auf seine jazz-tonalität einzugehen.  als ob diese saxophone und klarinetten sich gar nicht auf andere tonarten, tonlagen einlassen könnten als auf einige beliebte... ja, so ergeht es mir nicht nur mit jarek, sondern mit etlichen musikern...(vermutlich denken die aber genauso über mich)
im ganzen ist das aber doch eine recht gefällige musikveranstaltung mit vielen möglichkeiten für jeden von uns.  niemand produziert sich besonders aufdringlich, allein, ich hätte mir viel mehr ruhe, viel mehr wachsen lassen...aus der ruhe, aus dem nichts heraus, vorgestellt. ja, zugegeben, das passiert schon mal ab und an, aber einfach nicht genug. am meisten noch an der stelle, als sich jarek auf sein mundsück konzentriert...für einen viel zu kurzen moment.


 
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#255 solo in der nürnberger strasse 20 in charlottenburg
schöne wohnung mit stuckdecke, martin und lena laden ein. freundin claudia ist auch noch da. also drei, die zuhören.  französischer, goldfarbener blanc de blanc löst die stimmung. schmeckt er nun nach pampelmuse, nach grapefruit oder nach pfirsich? der spätere rotwein auf alle fälle nach veilchen...entsprechend entspannt und nuanciert auch das solo, das dann doch irgendwann beginnen muss. es ist ja marathon-zeit...da muss ich jetzt heute mal wieder alleine durch...und mit spass!
die stimme folgt dem cello....ich taste mich an irgend etwas heran. melodisch, tonal bleibend zunächst, einige läufe, die man fastgar als virtuos durchgehen lassen kann, dann wieder ruhig, unisono...weiter tonal, immer an der grenze zu einer anderen welt.

dann freier...dann schneller, dann mutiger...

es ist die kombination aus mut und sorgfalt, die mir immer wesentlicher erscheint, und die man bei musikern so selten zu hören bekommt. ein bisschen davon hat dieses konzert. 
es hätte sich noch weiter vorwagen können.  die atmosphäre ist zu intim. ich bleibe auf der sicheren seite. wühle mich nicht zu sehr in emotionale klanggebiete vor. emotionale feuchtgebiete...






 
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#254 mit cris colombo, drum-computer, karoma, text-gesang...
ich komme nach einer ziemlich langen sonntags-fahrt 18 uhr abends in neukölln im f12 an...nach etwa 700 km fahrt, da ich noch,kleiner umweg, meinen mikrofonständer bei van bebber in kalkar abholen wollte. was mir aber nicht gelang, weil er weder die hausglocke noch das telefon hörte. nach einer halben stunde vor verschlossener haustür gebe ich auf. 

cris colombo, karoma und ich improvisieren also zusammen...cris spezialisiert sich auf die rhythmen, karoma legt vorsichtig mit ihren texten los, unsere begleitung zu ihren rap-texten ist bizarr, irgendwann füge sich mein gesang dazu.  
ein sehr gemächliches konzert, mit langsamem, schleppendem puls, der manchmal stolpert, sich aber selten verändert. cris fügt aus seinem elektronischen fundus den sound einer melodica hinzu...


 
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#253 beim geburtstag in köln mit brigitte küpper, gesang
wir sind alle schon mit gutem wein, weiss und rot und mediterranen vorspeisen bedient, und beginnen sehr entspannt in der zimmerecke mit unserem extravaganten geburtstagskonzert.  es sind vor allem psychoanalytiker hier zu gast, da macht ein improvisationskonzert besonders viel spass und vermutlich einen anderen sinn als vor normalpublikum. wie es nun wirklich war, ich weiss es nur vage. ich glaube,das konzert war intensiv, cohärent, virtuos, schnell und dicht.  eine tonaufnahme gibt es nicht.  ich habe ja das mikrofonstativ bei claus van bebber vergessen und will es nicht riskieren, die mikrofone in dem überfüllten raum einfach so auf den tisch oder einen stuhl zu legen. ich erinnere mich an den applaus. er war ehrlich und erheblich.  
den rest des abends bin ich mehr oder weniger hilflos zwischen den gesprächen der anderen herumgehangen.  so etwas passiert, wenn man müde ist oder innerlicher arroganz aufläuft.  dieses mal war es weder das eine noch das andere. 
eher das gefühl, durchsichtig zu sein.  aber gelangweilt haben mich die gespräche schon. zu viele internas, bei denen es mir nicht gelingt, eine sinnvolle geschichte daraus zu spinnen oder neugierige fragen zu stellen.  um musik ging es jedenfalls nicht. und um die kunst der improvisation schon gar nicht. 

 


 
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#252/2 mit claus van bebber, 3 plattenspieler und roman dähne, monochord bei claus van bebber privat
habe mein aufnahme-stativ  heute morgen bei claus van bebber liegen lassen, bei dem ich nach dem klangpferd-konzert untergekomme.
ein gorsses gehöft ausserhalb von kalkar, das haupthaus wurde in den 1920-er-jahren mit einer vorgesetzten klinkerfassade zu einem herrenhaus aufgemotzt. dort findet sich am abend, nach einem gemeinsamen vesper und gespräch in der küche auch roman dähne, der junge radiologe vom klinikum goch, ein.
später gehen wir in das angrenzende zimmer und spielen für niemanden sonst, ein kleines trio-konzert: claus von bebber an 3 plattenspielern, roman am monochord, ich wie üblich mit cello und stimme.
es wird eine unglaubliche klang-und geräuschorgie. als tonaufnahme kaum länger anzuhören. live könnte so etwas aber funktionieren.  kantig, unerwartet, brüllend, bruzzelnd...das monochord von roman dähne nehme ich kaum wahr...es gibt dem ganzen klangwust einen samtenen anstrich. 


 
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#252/1 trojanisches klangpferd klinikum goch: mit erbauer manfred knupp und dem perkussionisten heiner linne
die pferde-musik gerät gleich zu anfang sehr theatralisch. das pferd ist weiss lackiert und ich sitze mit meinem cello nahe bei seinem kopf.
<good guy> .schräg tönt das kinderlied <ist ein mann in brunnen gfallen> versehentlich, gemeint war <hoppe hoppe reiter>.  das wird dann auch korrigiert, es geht entspannt, deftig und mit <hallo, you> weiter. pferdetrappeln...ja, es könnte ganz gut eine aufführung für kinder sein. so ein klangpferd verbreitet ganz einfach auch so eine heitere kinder-stimmung. 
innerlich sträubt sich etwas dagegen, ich mache <brrrr> und ab da wird der vortrag etwas abstrakter.  lyrisch-abstrakt: let my horse go troyes, schlaf, pferdchen, schlaf. du kleines, schlaues, trojanisches...bäum dich ! dann laut, die performance wird zu reiner musik: für sehr kurz...ich auch bisschen pferd...ich will auch ein bisschen ein pferd sein...
sehr interessante passagen...(abgesehen vom text, der wohl heute sein muss)
das pferd klingt wie es klingen muss: hohl. manchmal kommt man sich vor wie auf einer baustelle, auf der viel mit metall hantiert wird. sehr gut fügt  sich alles zusammen. auch bei meinem trauer-gesang-gang rund ums pferd. und als ich tief ins pferd hinein-singe. danach: sehr schöne perkussionspassage von manfred und heiner...in die sich dann irgendwann wieder das cello einschleicht.
bis zum ende sensibel und abstrakt. keine texte mehr. 
plastiktüten-rascheln, ballon-geräusche, kissenschütteln...
immer, wenn die stimme dazukommt, wirkt es theatralisch.
doch die stimme hält auch zusammen, trägt durch die lange, perkussions-bestimmte klangpferd-musik musik hindurch.


 
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#250 mit jürgen slojewski, kontrabass/simon below, klavier in der dom-musikschule xanten
in diesem schönen musikzimmer steht eine orgel und zwei pauken. neben mir der kontrabass, der beginnt. orgelklänge, die ich produziere, indem ich hinter mir in die tasten greife,  irritieren...dennoch tasten wir uns sehr bald zusammen: die zufälligen orgeltöne sind weiter das stör-element, das sich erst verliert, als wir uns mehr und mehr auf unsere instrumente konzentrieren und simon below unmissverständlich harmonie vorgibt.
dezent, sparsam.
die orgel stört erneut, simon nimmt das auf, nimmt den störenfried in unsere mitte. 
er begreift alles sofort, reagiert, verbindet gut. 
jürgen slojewski singt mit schöner stimme. spielt sehr sauber seinen kontrabass...
das konzert macht wirklich grosse freude: aufmerksam,  einfühlsam, musikalisch...der störenfried orgel scheint besiegt.
 
dann kommt ein perkussiver teil, darüber stimme, der bass von jürgen rhythmisch und jazzig. 
an der richtigen stelle setzt dann noch ein saxophon ein, das jemand aus dem publikum ausgepackt hat...ein paar phrasen, dann ist diese einlage schon wieder vorbei.

die orgel stört wieder... gibt aber dann auch ein kleines thema vor. wir sind mittendrin, lassen uns treiben, lassen das kleine thema klein wie es ist.

dann langweilt uns das wohl doch, das konzert sucht seinen fortgang und wird experimenteller, fragmentierter, bleibt dabei vorsichtig. ich widme mich den grossen pauken.
 
vom piano eine überleitung in ein feines, schräges cello-spiel, das immer wieder die vorgegebene harmonie berührt, jürgen trägt diese idee am bass sofort mit.

dann wirds, nach einem furioso, bald wieder ruhig: bass und piano zusammen, ich singe leise im hintergrund...sehr schöne stellen sind das, zusehends meditativ...nicht für lange.

wir nähren uns wieder am grossen kuchen des feinfühligen experiments.  und es kommt die nächste übereinkunft dabei heraus...keine.  das konzert bleibt sperrig, mündet in ein längeres solo von simon, später stimmlich von mir begleitet...und wieder ein umbruch. das piano zurück in den begleitmodus...
dann ein jazziges piano solo, bis ich mich frei dazumische. 
jetzt könnte schluss sein, die zeit ist um, das piano leitet in eine kaffeehaus-stimmung über...die hält nicht an, stimme und kalimba hört man, dazu jürgens bass...feiner ausklang.



 
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#251 im wasserturm am bahnhof in geldern mit frank preuß, gitarre und martin lersch, akkordeon...
ein wunderschönes ambiente, dieser wasserturm. ich wähle ebene 3 für das konzert. das erdgeschoss ist zu wohnlich, im ersten rundraum nimmt die installation der künstlerin zu viel platz ein, der boden ist rot und schwarz eingefärbt.
im dritten ist eine hängende wandinstallation, unter der  frank preuß dann leider seine gitarrenkoffer abstellt, eine wunderschöne skulptur, die mich an manche arbeiten von louise bourgeois erinnert, doch leichter, abstrakter, architektonischer. aber genauso humorvoll. 

genügend publikum. die improvisation plätschert gleich anfangs entspannt und verträumt vor sich hin. zwischen klappernden und wind-ähnlichen geräuschen, die, das wird erst später klar, vom akkordeon herrühren.  vielleicht mangelt es heute an ideen, dafür ist unser trio sehr einheitlich. in der spannung immer kurz vor dem einsturz, da es sehr viele ritardandos und repetitive elemente gibt.

einmal löst sich ein rhythmisches lied, dessen fortgang es aber ähnlich ergeht. der groove liegt in der luft, wird aber nicht wirklich ausgeführt, gefühlt. lieber verfallen wir in einen sprechgesang. die mundharmonika  versucht es nochmals rhythmisch. das ganze ist nicht schlecht, aber wenn einem wirklich nach beschwingtheit zumute ist, reicht der musikalische impuls nicht ganz hin...

solo cello. etwas verloren...dann kommt das klarinetten-mundstück von martin lersch zum tragen, steht bisweilen grotesk neben meinem gesang...dann wieder geräusche, reibende, quietschende...von einem luftballon...die gitarre spielt ruhig, ich mit gesängen und tamburin...jeder von uns dreien macht wirklich was völlig anderes. und doch ist es wohl die interessanteste passage des ganzen abends. 
perkussion zu dritt: das klingt konzentriert und interessant.
die ganze session wird freier und freier. zum ersten mal ist die gitarre verstummt.
kurzes gitarren-solo plus tonales daumenklavier von martin im hintergrund. ruhiges lied mit gitarre, daumenklavier und bambusflöte...
oh, dieses konzert geht lang, zu lang...ist aber spannender gegen ende als zu anfang...


 


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#249 mit dem musikverein berghausen in der jugendherberge xanten
die grosszügige jugendherberge ist ein karree mit grossem innenhof und liegt 2 km ausserhalb der römischen gründung xanten am ende der grossen baggerseen. das zimmer, das mir dort der musikverein berghausen (nähe karlsruhe) reserviert hat, kommt einem grosszügigen hotelzimmer gleich und ich verlängere meinen aufenthalt hier um einen tag, da konzert #250 auch in xanten ist. 

um 16 uhr lasse ich erst mal alle stühle und notenständer beiseiteschaffen und ordne das orchester in gruppen. es ist merkwürdig, dass der musikverein berghausen nicht den ganzen raum einnehmen will, alle drängen sich nach hinten und die instrumentegruppen, die ich wie inseln voneinander getrennt haben will, verfliessen immer wieder ineinander.
die grösste insel bilden 6 junge querflötistinnen, etwa 12-15 jahre alt.  

die übungen gelingen gut, ich ermuntere, lasse viel musizieren und fordere immer wieder zum auf-einander-hören auf und dazu, aus-der-ruhe-heraus zu denken.

nach 2 stunden workshop gibt es abendessen. dann ist noch eine stunde pause. um 20 uhr geht es los.
von den workshopteilnehmern nehmen etwa die hälfte am konzert teil, die anderen sitzen im publikum.

das konzert besteht aus einer aneinanderreihung von crescendi. in den leisen musiktälern tut sich einiges, mal von der vokal-gruppe angeregt, mal vom schlagzeuger, mal von einer der jungen querflötistinnen, mal von mir.

der mut für musikalische ideen war beim workshop selbst grösser.  die meisten bläser warten auf das anschwellende unsisono, in dem fast alle konzert-teile enden. andererseits entsteht durch diesen effekt auch eine struktur, die das improvisations-konzert in eine übersichtliche form bringt.

teilweise sind die anschwellenden konzert-teile auch sehr kurz, wie kleine wellen. einmal taucht daraus ein flötentriller auf, beantwortet durch einen mächtigen ausbruch des horns, im nächsten tal wieder dieselbe querflöte, die einen rhythmischen impuls vorgibt, im nächsten tal stimmen, die verstreute, kurze laute (plop) bringen, dann eine kleine melodie von mir, überlagert durch eine tonleiter auf der trompete. diese, weil repetitiv, wird rhythmisch übernommen, nächstes crescendo, klatschen, nächstes tal: wohlige mmm-glissandi, nächtes crescendo, eine vorherrschende tonhöhe, überlagert durch rhythmisches <ja> der stimmen-sektion, dann, auch rhythmisch <stop, autobahn> oder so ähnlich...eine art pause, die ziemlich witzig ist: ich singe, rundum wird gegiggelt und getuschelt, dann nochmal pause: die pauke bricht die ruhe: auch das nächste crescendo ist rhythmisch getragen, ein marsch, der dann ausfranst...
cello allein und knarzen eines stuhls, durchs pedal modulierte paukenschläge, einfühlsam.  wieder taucht der marschierende puls auf, immer wieder franst er in stille aus,
aus der immer wieder ein anderer musiker herausführt. diesmal wird meine initiative durch schnalzen, durch trompeten, dann flöten überdeckt...und wieder im rhythmus ertränkt....



  




 
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